Aspirin verringert die Sterblichkeit bei Darmkrebs
Die langfristige Verabreichung niedrig dosierten Aspirins verringert die Entstehung von Darmkrebs um ein Viertel und die von dieser Erkrankung verursachte Sterblichkeit um mehr als ein Drittel. Dies sind die Folgerungen eines Artikels, der von Professor Peter Rothwell vom John Radcliffe Hospital in Oxford und Kollegen verfasst wurde.Darmkrebs ist die zweithäufigste Krebserkrankung in den Industrienationen. Jährlich sind weltweit etwa eine Million Neuerkrankungen und 600 000 Todesfälle zu beklagen. Die meisten dieser Karzinome entwickeln sich aus Adenomen (ein gutartiges Geschwulst aus Schleimhaut oder Drüsengewebe) oder Darmpolypen. Screeningverfahren wie Sigmoidoskopie und Darmspiegelungen können das Krebsrisiko durch Entfernen dieser Polypen verringern. Allerdings ist das Screening nur bedingt wirkungsvoll, insbesondere bei Krebserkrankungen des oberen Darms, der von der Sigmoidoskopie nicht erreicht, und bei der Darmspiegelung häufig ausgelassen wird.Die gleiche Forschungsgruppe hatte schon 2007 gezeigt, dass hochdosiertes Aspirin (mehr als 500 Milligramm täglich) die langfristige Häufigkeit des Darmkrebses zwar reduzieren konnte, dass jedoch unerwünschte Effekte wie verstärkte Blutungen das Potenzial des Wirkstoffs zur langfristigen Anwendung begrenzen könnten. Außerdem war diese frühere Studie zu klein angelegt, um Auswirkungen auf die Tumore in verschiedenen Abschnitten des Darms und Enddarms zu untersuchen.
Die Autoren untersuchten 4 randomisierte Studien zu Aspirin. In diesen vier Aspirin versus Placebo-Studien (mittlere Dauer der vorgesehenen Behandlung: 6 Jahre) entwickelten 391 von 14 033 Patienten ein kolorektales Karzinom während der mittleren Nachbeobachtungsdauer von 18,3 Jahren. Eine zusammengefasste Analyse der Daten der einzelnen Patienten zeigte, dass Aspirin das 20-Jahresrisiko eines Darmkrebses um 24 Prozent, und die Sterblichkeit durch den Darmkrebs um 35 Prozent verringerte. Die Ergebnisse stimmten über die Studien hinweg überein, wobei bei täglichen Dosen größer als 75 Milligramm kein gesteigerter Nutzen mehr festgestellt werden konnte. Die Daten zeigten auch eine Verringerung des absoluten 20-Jahres-Risikos jeglicher tödlicher Darmkrebserkrankungen nach 5-jähriger Therapie mit 75 bis 300 Milligramm täglichen Aspirins von etwa 3,5 Prozent auf 1,5 Prozent.Professor Rothwell ist der Meinung: “Unsere Ergebnisse deuten an, dass eine langfristig verabreichte niedrig dosierte Aspirinbehandlung und die Sigmoidoskopie kombiniert werden könnten, um die Krebshäufigkeit in allen Teilen des Darms und Enddarms wesentlich zu verringern (HB).”Quelle: Peter Rothwell and others. Long-term effect of aspirin on colorectal cancer incidence and mortality: 20-year follow-up of five randomised trials. Lancet 2010; 376: 10.1016/S0140-6736(10)61543-7