Was bewirkt Denksport bei Senioren?

Durch ein intensives kognitives Training können Senioren nicht nur neue Aufgaben besser lösen sondern auch ihre Persönlichkeit verändern: Sie werden offener für neue Erfahrungen und trauen sich wieder mehr zu. Entscheidend dabei ist nicht, wie sehr sich die geistige Leistungsfähigkeit durch das Training verbessert hat, ausschlaggebend sind die Beschäftigung mit den Denkaufgaben und die damit verbundenen positiven Erfahrungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Forscherteam um Elizabeth Stine-Morrow von der University of Illinois im Fachmagazin “Psychology and Aging”.

Für die Studie wurden 183 gesunde Seniorinnen und Senioren zwischen 60 und 94 Jahren getestet, die weder beruflich noch ehrenamtlich aktiv waren. 85 Senioren nahmen an dem kognitiven Trainingsprogramm teil, die anderen 98 Teilnehmer wurden als Kontrollgruppe auf einer Warteliste eingetragen. Sechzehn Wochen lang erhielten die Teilnehmer der Trainingsgruppe wöchentlich umfangreiches Material wie Worträtsel, Sudokus und andere Aufgaben, das sie zu Hause im eigenen Tempo bearbeiten konnten. Die Psychologen gingen von einem durchschnittlichen Zeitaufwand von zehn Stunden aus, tatsächlich aber befassten sich die Teilnehmer sogar mehr als elf Stunden pro Woche freiwillig mit den Aufgaben. Der Schwierigkeitsgrad war an die individuelle Leistungsfähigkeit angepasst und erhöhte sich wöchentlich mit dem Fortschritt des Teilnehmers.

Am Ende der Trainingsphase hatten die Senioren ihre Problemlösefähigkeiten leicht verbessert. Sie konnten nicht nur Aufgaben des geübten Typs schneller lösen, sondern waren auch in nichttrainierten Aufgaben etwas erfolgreicher als die Vergleichsgruppe. Und was erbrachten die Persönlichkeitstests? Erstaunliches, denn die Teilnehmer bezeichneten sich selbst als kompetenter, kreativer und neugieriger als vor dem Training. Die Vergleichsgruppe zeigte keine entsprechende Entwicklung.

Bis dato war umstritten, ob sich durch Trainings die geistige Leistungsfähigkeit von Älteren steigern lässt. So erklärte zum Beispiel die Expertengruppe “Altern in Deutschland” der Leopoldina-Akademie,  dass die kommerziell vertriebenen Gehirnjogging-Programme nicht halten, was sie versprechen. Andererseits konnten Psychologen um Ulman Lindenberger und Florian Schmiedek vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung mit der Cogito-Studie erstmals zeigen, dass sich auch bei älteren Menschen noch kleine Zugewinne bei geistigen Fähigkeiten erzielen lassen. Dafür war jedoch ein zeitaufwendiges und langandauerndes Training notwendig, das vor allem Merkfähigkeit und Arbeitsgedächtnis ständig forderte. Begründung: “In den üblichen Programmen werden nur Fertigkeiten trainiert, die sich aber nicht in Fähigkeiten ummünzen lassen. Wer Sudokus löst, wird besser im Sudoku, aber nicht bei anderen Aufgaben”, sagt Schmiedek.

Zu den Ergebnissen der vorliegenden Studie stellte Stine-Morrow fest: “Wir vermuten, dass die Anpassung der Aufgaben an die individuelle Leistungsfähigkeit der Teilnehmer entscheidend dazu beitrug, mehr Offenheit zu ermöglichen”, denn so gewannen die Teilnehmer allmählich mehr Vertrauen in ihre Fähigkeiten, auch neue Aufgaben zu meistern.

Das Prinzip ist aus der Schulpädagogik unter dem Stichwort “Fordern, aber nicht überfordern” schon bekannt: Wer nach angemessener Anstrengung Aufgaben meistern kann, bleibt motiviert und steigert seine Leistungen. Ungeklärt ist jedoch noch, ob die trainierten Senioren nun auch im Alltag aktiver als zuvor nach Anregungen suchen, die sie geistig immer wieder neu herausfordern (HB).

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Warum Massage gegen Muskelkater hilft

Nach einer intensiven sportlichen Aktivität können Massagen in der Regel den Muskelkater verhindern und die Regeneration beschleunigen. Bisher gab es dafür keine allgemein akzeptierte biochemische Erklärung. Nun haben Mark Tarnopolsky und Mitarbeiter von der McMaster University im kanadischen Hamilton eine Reihe enzymatischer und immunologischer Reaktionen in den Zellen massierter Muskeln entdeckt, die jene positiven Wirkungen der Massage erklären.
Das Team hat elf junge sportliche Freiwillige nach intensiven Leistungstests auf einem Fitnessfahrrad untersucht. Anschließend wurden  die beanspruchten Muskelpartien eines der beiden Beine zehn Minuten lang massiert. Danach analysierten die Forscher das Stoffwechselgeschehen sowie die Genaktivität in den Zellen der massierten wie der unbehandelten Beinmuskeln. Dazu entnahmen sie direkt im Anschluss an die Belastung sowie zweieinhalb Stunden später Muskelgewebeproben. Zudem verglichen sie die Daten mit denen ausgeruhter Muskelfasern.
Ergebnis: die Aktivität von Entzündungsmodulatoren war nach der Massage geringer und die Produktion von Genen, die den Mitochondriennachschub der Zellen ankurbeln, nahm zu. Die Massage, so interpretieren die Forscher, verändert die Zellphysiologie offenbar ähnlich wie bestimmte entzündungshemmende und schmerzstillende Medikamente. Milchsäure – die seit Langem anekdotisch als eine der Ursachen eines Muskelkaters verdächtigt wird – baut sich unter dem Einfluss der Massage in den Zellen nicht vermehrt ab(HB).

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Aus Hirnsignalen Gehörtes rekonstruiert

Mit einem Programm, das die Gehirnaktivität im Hörkortex in den ursprünglich gehörten Klang zurückübersetzt, sind Wissenschaftler der Verarbeitung gesprochener Sprache auf der Spur.
Für ihre Studie hatten sich die Wissenschaftler der University of California in Berkeley um Brian Pasley an Freiwillige gewandt, denen eine Gehirn-OP im Bereich des linken Schläfenlappens bevorstand und deren Schädel daher für genauere Untersuchungen geöffnet werden musste. Um an die nötigen Daten zu gelangen, befestigten die Forscher dünne Elektroden auf der Kortexoberfläche ihrer 15 Patienten. So konnten sie die elektrischen Signale der Nervenzellen registrieren, während die Probanden einsilbige Wörter hörten. Dann ließen sie den Computer lernen, aus dem Aktivierungsmuster auf die klangliche Gestalt des Ausgangsworts zurückzuschließen.
Laut Pasley ist dieses Verfahren für Hirnforscher vor allem deshalb interessant, weil es ihnen etwas über die Art verrät, wie die Areale der Hörwahrnehmung Informationen kodieren und weiterverarbeiten.
Noch zählen die Experimente zur Grundlagenforschung. Eines Tages könnte ein ähnliches System jedoch auch Patienten zugute kommen, die auf Grund einer Krankheit die Fähigkeit zum Sprechen verloren haben. Weil innere Monologe vermutlich dieselben Hirnareale aktivieren, die die Forscher jetzt im Fokus hatten, könnte ein weiterentwickeltes Rekonstruktionsprogramm den Patienten wieder eine Stimme geben (HB).

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Hsp90- ein zweischneidiges Mittel zur Krebsbekämpfung

Forscher haben einen zellulären Notfallmechanismus genauer analysiert, mit dem Hefezellen unter schwierigsten äußeren Umständen dennoch überleben und ihre Gene in die nächste Zellgeneration retten können. Weil die Abläufe der Entwicklung in menschlichen Tumoren ähnelt, könnten die neuen Ergebnisse Krebsforschern helfen – sollten jedoch auch zur Vorsicht mahnen, meint das Team um Rong Li vom Stowers Institute for Medical Research in Kansas City.
Die Wissenschaftler hatten Hefen (Saccharomyces cerevisiae) mit Hitze und Chemikalien unter Stress gesetzt und so eine letzte Gegenmaßnahme der Zellen provoziert – ein völlig zufälliges Rearrangement der Chromosomen bei der Zellteilung. Dieses Notfallprogramm erhöht die Chance, dass die Zellen die dramatisch verschlechterten Umweltbedingungen durch eine zufällig erworbene neue Fähigkeit überstehen. Normalerweise sterben jedoch fast alle der entstehenden Zellen.
Doch in diesem Fall wurde das Forscherteam auf das Hitzeschockprotein Hsp90 aufmerksam – ein Komplex von so genannten Chaperonen, ohne die ein zentrales Strukturelement der Chromosomen bei der Zellteilung, das Kinetochor, nicht normal zusammengebaut werden kann.
Das Abschalten von Hsp90 – eines der am häufigsten in Zellen vorkommenden Proteine – durch Stress oder Hitze sorgt dafür, dass die Chromosomen umgebaut und bei Zellteilungen ungerichtet verteilt werden. Bei wenigen Zellen erhöhte dies aber die Resistenz gegen Zellgifte.
Da Hsp90 auch im Menschen existiert, könnte es somit als Angriffspunkt bei der Krebsbekämpfung eingesetzt werden. In klinischen Tests konnte schon gezeigt werden, dass Inhibitoren – etwa Derivate des aus Pilzen gewonnenen Geldanamycin – das Hitzeschockprotein deaktivieren und Tumore neutralisieren.
Die Erkenntnisse von Lis Team zeigten jedoch auch, dass diese Deaktivierung einzelne Krebszellen nicht nur schädigt, sondern womöglich auch einzelne, zufällig resistente Tumorzellen im Körper entstehen lassen könnte. Man müsse bei einer Behandlung nicht nur beobachten, ob ein Antitumormedikament primär wirkt, sondern auch im Auge behalten, in welche Richtung die Entwicklung der ganzen Tumorzelllinie unter dem Druck der Medikamente gedrängt wird, betonten die Forscher (HB).

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Hundertjähriger Inder schafft Marathon

Wer hundert Jahre alt wird und dennoch halbwegs gesund bleibt, hat Glück. Was aber hat jemand, der im Alter von hundert Jahren noch so fit ist, dass er einen Marathon laufen kann? Unbändige Energie? Einen göttlichen Funken? Nein, unmöglich, gibt es gar nicht?

Doch, den Inder Fauja Singh gibt es. Und er überquerte die Ziellinie beim Marathon in Toronto nach mehr als acht Stunden. Allerdings ist er kein Anfänger. Seinen ersten Marathon lief er mit 89 Jahren. Das war 2003 – und er setzte gleich Maßstäbe: die 42,195 Kilometer absolvierte er in 5:40:01 Stunden.

 

Hat Singh ein außergewöhnliches Leben gelebt? Hat ihn die Evolution mit einmaligen Genen ausgestattet? Dafür spricht so gut wie nichts. Einige Altersforscher sind zwar der Meinung, dass die genetische Ausstattung in erheblichem Maße darüber bestimmt, wie alt man wird. Auf Singh trifft das jedoch nicht zu, denn in seiner Familie starben sie alle im Alter zwischen 60 und 70 Jahren – mit einer Ausnahme: der Großvater väterlicherseits wurde 102 Jahre alt.

 

Ein weiterer Faktor, der für ein hohes Alter maßgebend sein soll ist die soziale Herkunft. Auch damit kann Singh nicht punkten, denn er erhielt nur eine miserable Schulausbildung, musste als Kleinbauer im nordindischen Punjab schuften und sechs Kinder großziehen.

 

Oder war die Ernährungsweise ausschlaggebend? Sing raucht nicht, trinkt keinen Alkohol und ist Vegetarier. Er isst weder Eier noch Fisch und Reis schmeckt ihm nicht. Sein Kalorienverbrauch wird auf etwa 1000 kcal pro Tag geschätzt. Einige Studien haben ergeben, dass eine geringe Kalorienzufuhr über einen längeren Zeitraum ein entscheidender Faktor sein kann, um ein hohes Alter zu erreichen.

 

Weiterhin gehört auch regelmäßige Bewegung dazu. Singh trainiert jeden Tag. Der Anteil des Ausdauertrainings überwiegt, Krafttraining spielt eine untergeordnete Rolle. Altersforscher und Sportwissenschaftler betonen jedoch, wie wichtig auch ein regelmäßiges Muskeltrainig im Alter ist. In dem Buch „Wir werden hundert“ (Leutner- Verlag) gibt es dazu eine ausführliche Anleitung für den optimalen Einsatz von Hanteln und Theraband ab 40plus.

 

Schließlich spielt auch die Ausgestaltung des sozialen Lebens eine wichtige Rolle. Singh hat zahlreiche Trainingspartner sowie eine weltweite Fangemeinde, die seine außergewöhnlichen Leistungen würdigt und anerkennt.

 

Kann es sein, dass Singh sogar glücklich ist? In der Tat- seine Lebensqualität schätzt er als „sehr gut“ ein. Er hat keinerlei körperliche Beschwerden, fühlt sich unabhängig, habe genug zu essen, könne öffentlich Verkehrsmittel kostenlos nutzen- „was will man mehr?“ fragt er. An materiellen Dingen ist er kaum interessiert.

Ebenfalls wichtig für ein hohes Alter- man sollte immer ein realistisches Ziel vor Augen haben. Auch dies trifft auf Singh zu. Er hoffe, im kommenden Jahr am Fackellauf der Olympischen Spiele in London teilnehmen zu können.

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Sind Nahrungsergänzungsmittel überflüssig?

Ein längeres Leben und beste Gesundheit versprechen sich Millionen Menschen, die regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel einnehmen. Das könnte ein Trugschluss sein, denn einige der Vitamine in Tablettenform können das Sterberisiko erhöhen. Dies ist das Fazit einer neuen Studie, die unter der Leitung von Jaakko Mursu von der University of Eastern Finland in Kuopio und der Universität in Minnesota durchgeführt wurde. Die Ergebnisse aus der «Iowa Women’s Health Study» wurden im Fachblatt «Archives of Internal Medicine» veröffentlicht.

Die Forscher werteten die Daten von über 40 000 US-amerikanischen Frauen aus, die zu Beginn der Studie im Schnitt 61 Jahre alt waren. Die Frauen gaben im Zeitraum von 1986 bis 2004 mehrmals an, welche Nahrungsergänzungsmittel sie zu sich nahmen.

Ergebnis: Viele Substanzen erwiesen sich nicht als Heilsbringer. Insgesamt starben innerhalb des gesamten Beobachtungszeitraums 15.594 Teilnehmerinnen (40 Prozent). Der stärkste Zusammenhang ergab sich beim Eisen; hier lag der absolute Risikoanstieg bei knapp 4 Prozent, für Magnesium waren es 3,6 Prozent, für Zink 3 Prozent, für Multivitaminpräparate 2,4 Prozent. Die einzige Ausnahme war Kalzium – es senkte die Mortalitätsrate um 3,8 Prozent.

Ob Kalzium wirklich eine Ausnahme darstellt, muss jedoch in weiteren Studien geklärt werden. Schließlich gibt es eine Metaanalyse, nach der die Einnahme von Kalziumpräparaten mit einem deutlich erhöhten Herzinfarktrisiko einher geht.

Vitamine in Obst, Gemüse, Getreide und Fleisch sind lebenswichtig. Weil der Körper sie nicht herstellen kann, müssen sie durch Nahrungsmittel zugeführt bekommen. Vitamine härten u.a. Knochen, stärken die Sehkraft und regulieren die Blutgerinnung. Ohne Vitamine kein Leben. Doch ihre optimale Wirkung entfalten sie offensichtlich nur, wenn sie über pflanzliche oder tierische Produkte zugeführt werden.

Doch warum das Original aus der Natur wirkt, Substanzen aus der Packung hingegen eher schaden, können Forscher noch nicht erklären. Klar ist nur: Das Vitaminpräparat ist nur ein Stoff. Der Körper braucht jedoch das Zusammenspiel aller Stoffe.

In dem Buch „Wir werden hundert“ (Leutner- Verlag) erfahren Sie alles über Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente und wie Sie sich ohne Nahrungsergänzungsmittel ab 40plus optimal ernähren. Kurze Inhaltsangabe: Vitaminmängel und die Folgen. Wie das Immunsystem funktioniert. Wie man  Vitaminverluste verhindert. Die Wirkungsweise aller Vitamine.

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Individuelle Stammzellen wurden effizient repariert

Das Fernziel, verschiedene genetische Erkrankungen des Menschen mit induzierten pluripotenten Stammzellen (ipS) zu heilen, die zuvor aus den eigenen Zellen der Patienten rückprogrammiert und dann gentherapeutisch repariert worden sind, rückt näher. Erst kürzlich gelang es einem zwanzigköpfigen Medizinerteam, mit verbesserten Techniken weniger entartungsgefährdete ipS zu produzieren, einen Gendefekt darin auszubessern und die weiter modifizierten Zellen dann in Versuchstiere einzupflanzen.

Zuvor hatten Forscher zwar schon Körperzellen erfolgreich zu ipS zurückprogrammiert und gentechnisch repariert. Dabei wurden jedoch ineffiziente Methoden eingesetzt, bei denen sich eine spätere klinische Anwendung verbietet, weil sie ein erhöhtes Krebsrisiko mit sich bringt. Bisher erfolgte das Austauschen mutierter DNA-Abschnitte der Zellen durch nicht defekte Kopien mit genetischen Werkzeugen, die bei dem Vorgang jeweils ein Stück nichtmenschlicher DNA in das Genom des Spenders einsetzten und sie so vielleicht krankhaft verändern. Allan Bradley vom Wellcome Trust Sanger Institute und seine Kollegen konnten diesen risikobehafteten Schritt nun ersetzen.

Das Team hatte in ihrer Machbarkeitsstudie iPS-Zellen untersucht, die von Patienten mit einer der häufigsten erblichen Lebererkrankung gewonnen wurden. Diese rezessiv vererbte Erkrankung geht auf Punktmutationen in einem der beiden Genkopien für das Protein Alpha1-Antitrypsin zurück, einem Eiweiß, das in der Leber zu starke Entzündungsreaktionen hemmt. Die Mutation bewirkt aber, dass das Protein in den Leberzellen polymerisiert und zurückbleibt, anstatt ausgeschüttet zu werden. Betroffene leiden an Leberzirrhose, eine Transplantation des Organs ist oft die einzige Therapiemöglichkeit.

Bradley und seine Kollegen haben das defekte Gen in Kulturen der ipS-Zellen nun mit Hilfe des Transposons piggyBac durch eine gesunde Genkopie ersetzt. Das ursprünglich aus Faltern isolierte Transposon (ein DNA- Abschnitt im Genom, der seine Position darin verändern kann) arbeitet sehr effizient und exakt; DNA-Sequenzen, die von ihm während des Tauschprozesses inseriert werden, entfernt es am Ende wieder vollständig. Die gentherapierten Zellen funktionierten danach einwandfrei: Sie ließen sich in Mäuse implantieren und wuchsen dort an; in Zellkultur produzierten sie zudem funktionsfähige Alpha1-Antitrypsin-Proteine.

Dies lässt hoffen, dass reparierte ipS-Zellen tatsächlich einmal defekte Zellen in Patienten gefahrlos ersetzen könnten.

 

Quellen:

 

Nature 10.1038/nature10424, 2011[2] Nature 10.1038/nature08129, 2009


Science 10.1126/science.1152092, 2007

 

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Wir neigen zu unrealistischem Optimismus

Aufgrund einer selektiven Informationsverarbeitung des Gehirns neigen Menschen zu unrealistischem Optimismus. Wir ändern unsere Ansichten häufig nur, wenn die Verhältnisse sich positiver entwickeln als ursprünglich erwartet. Negative Einschätzungen werden dagegen nicht übernommen. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher aus Deutschland und Großbritannien.

Das Team um Tali Sharot vom University College London konfrontierte die Probanden in einem Gespräch mit insgesamt 80 negativen Lebenssituationen, wie beispielsweise an Alzheimer zu erkranken oder ausgeraubt zu werden. Anschließend sollten die Versuchspersonen einschätzen, für wie wahrscheinlich sie es halten, dass ihnen selbst diese Dinge in der Zukunft passieren könnten. Danach wurde ihnen die tatsächliche statistische Wahrscheinlichkeit genannt, mit der jemand in  vergleichbaren Lebensumständen in eine der genannten Situationen geraten könnte. Dann wurden die Probanden erneut befragt. Dabei konnten die Forscher feststellen: Schätzte ein Versuchsteilnehmer das Risiko an Alzheimer zu erkranken ursprünglich zu hoch ein, übernahm er bei der zweiten Befragung die niedrigere Wahrscheinlichkeit, die dem tatsächlichen Wert sehr nahe kaum. Wurde das Risiko allerdings vorher zu gering eingeschätzt, blieb der Proband auch im Anschluss häufig lieber bei seiner ursprünglichen Einschätzung.

Mit funktioneller Magnetresonaztomografie (fMRT) zogen die Forschern zudem Rückschlüsse auf die neuronale Verarbeitung der Informationen vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Erwartungshaltungen. Dafür wurden vom Blutsauerstofflevel abhängige Signale (BOLD-Signale) in verschiedenen Hirnregionen beobachtet. Es zeigte sich, dass bei der Verarbeitung von unerwartet positiven Ereignissen die Aktivität in bestimmten Hirnarealen zunahm, während bei Informationen, die eher negativ überraschten, die Hirnaktivität in anderen Bereichen zurückging.

Nach Ansicht der Forscher kann diese optimistische Verzerrung zweierlei Folgen haben: Einerseits mildert sie Stress und Ängste, auf der anderen Seite führt sie aber auch dazu, dass manche Risiken im Alltag unterschätzt werden.

 

Quelle. » University College London, Tali Sharot

Nature Neuroscience 10.1038/nn.2949, 2011

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Ruhe im Hirnareal verbessert das Langzeitgedächtnis

Wer sich ein paar hundert Bilder ansieht, erinnert sich später in der Regel nur noch an wenige. Welche es sind, lässt sich an der Hirnaktivität kurz vor Betrachten eines Bildes erkennen, wie Forscher herausgefunden haben. Kennt man die entscheidenden Aktivitätsmuster, lässt sich  die Gedächtnisleistung merklich steigern.

Die Forscher um Julie Yoo vom Massachusetts Institute of Technology in Cambridge (US-Bundesstaat Massachusetts) baten ihre Probanden 250 Landschaftsaufnahmen für jeweils wenige Sekunden anzuschauen und sich möglichst viele Fotos zu merken. Dabei untersuchten sie die Hirnaktivität der Probanden mit Hilfe der funktionellen Magnetresonanztomografie. Es ergab sich ein klarer Zusammenhang: Sank die Aktivität einer bestimmten Hirnregion vor der Präsentation des Bilds, erinnerte sich der Proband später mit höherer Wahrscheinlichkeit an das Bild.

Die Wissenschaftler hatten sich dabei auf jene Hirnregion konzentriert, die maßgeblich daran beteiligt ist, szenische Informationen abzuspeichern  - den parahippocampalen Kortex. Sind die Neurone in diesem Gebiet sehr aktiv, verhindert dies offenbar ein erfolgreiches Abspeichern im Langzeitgedächtnis.

Im zweiten Teil ihres Experiments präsentierten Yoo und Kollegen ihren Probanden immer nur dann ein Bild, wenn sich die Hirnaktivität auf ein günstiges Niveau eingependelt hatte. Bei anschließenden Wiedererkennenstests konnten sich diese Testpersonen viel mehr Fotos merken: Sie schnitten im Mittel um 30 Prozent besser ab.


Quelle:
NeuroImage 10.1016/j.neuroimage.2011.07.063, 2011

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Die Zuschussrente – eine Mogelpackung?

Weil Altersarmut in den kommenden Jahren zu einem wachsenden Problem wird,  hat Sozialministerin Ursula von der Leyen einen „Regierungsdialog Rente“ gestartet. Wissenschaft, Politik, Sozialverbände und die Tarifpartner sollen sich hier austauschen.

Zur Eindämmung der wachsenden Altersarmut will die Ministerin von 2013 an einen Rentenaufschlag für jene Rentner einführen, deren Altersbezüge trotz jahrzehntelanger Arbeit die staatliche Grundsicherung nicht übersteigen. Die Zuschussrente soll 850 Euro betragen. „Im Jahr 2013 werden nur bis zu 20.000 Personen von der Zuschussrente profitieren, weil das Problem der Altersarmut heute noch klein ist“, sagte die Ministerin. „Wir müssen aber damit rechnen, dass ihre Zahl bis 2035 auf rund 1,1 Millionen steigt.“ Gefährdet seien vor allem Frauen, die Kinder erzogen hätten. Derzeit sind rund 400.000 Personen über 65 Jahre auf die Grundsicherung im Alter angewiesen.

Die Ministerin verteidigte ihre Absicht, die Zuschussrente nur unter strengen Voraussetzungen zu gewähren. Eine „Rente nach Mindesteinkommen“, wie sie Opposition, Gewerkschaften und auch CDU-Sozialausschüsse fordern, lehnte sie als zu teuer ab. „Die Rente muss der Lohn für die Lebensleistung bleiben“, sagte sie.

Die Zuschussrente soll es nur geben, wenn der Rentner 45 Versicherungsjahre in der Rentenversicherung vorweisen kann; dazu zählen aber auch Schuljahre vom 17. Lebensjahr an, Ausbildung-, Studien- und Krankheitszeiten, Arbeitslosigkeit und Schwangerschaft. Außerdem müssen 35 Pflichtbeitragsjahre nachgewiesen werden; hier werden neben der Erwerbstätigkeit auch Zeiten der Kindererziehung und der Pflege angerechnet. Drittens muss man 35 Jahre lang betrieblich oder privat vorgesorgt haben. Für Menschen, die schon bald in Rente gehen, sollen kürzere Pflichtzeiten gelten. In den nächsten zehn Jahren sollen 40 Versicherungsjahre, 30 Beitragsjahre und 5 Jahre der Eigenvorsorge genügen. „Das Signal soll sein: Arbeit lohnt sich, und private Vorsorge zahlt sich aus“, sagte von der Leyen.

Durch die geplante Zuschussrente kommen auf die Rentenkassen neue Milliardenlasten zu. von der Leyen rechnet damit, dass die Kosten der neuen Rentenleistung in den nächsten 20 Jahren auf 2,5 Milliarden Euro jährlich steigen. Finanzminister Schäuble (CDU) kenne ihr Konzept, sagte sie; es gebe aber keine formelle „Abstimmung“, da die Pläne nun erst einmal mit den Sozialpartnern im Rahmen des „Rentendialogs“ diskutiert werden sollten.

Kritik von allen Seiten

Der SPD- Parteivorsitzende Gabriel bezeichnete von der Leyen’s Pläne als „eine echte Rentenlüge. Sie behauptet, sie wolle etwas gegen Altersarmut tun. Hört sich unheimlich gut an, löst nur das Problem nicht“ meinte er gegenüber „Spiegel online“. Begründung: Die Ministerin sei „blind und ignorant gegenüber den Ursachen der Altersarmut“. Die entstehe nämlich durch Armut im Arbeitsleben. Ohne einen gesetzlichen Mindestlohn und eine anständige Bezahlung von Leih- und Zeitarbeitern müsse man sich nicht wundern, wenn die Menschen am Ende ihres Lebens noch zusätzliche Unterstützung bräuchten, betonte Gabriel. „Genau das hat Frau von der Leyen aber gerade Anfang des Jahres bei den Verhandlungen um die Höhe von Hartz IV brüsk ablehnt. Der Skandal in Deutschland ist doch gerade, dass viele Menschen trotz Arbeit arm sind – während der Arbeit und später in der Rente. Daran will Frau von der Leyen nichts ändern. Sie produziert die Altersarmut selbst, von der sie vorgibt, sie mindern zu wollen“.

 

Der Paritätische Wohlfahrtsverband sieht in dem Vorschlag „reine Gesetzeskosmetik“. Die Ministerin streue den Bürgerinnen  und  Bürgern „Sand in die Augen“, so Hauptgeschäftsführer Schneider. Auch die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Mascher spricht von „purer Kosmetik“. Die Gruppe derer, die eine solche Zuschussrente in Anspruch nehmen könnten, sei eng begrenzt – „kaum jemand profitiert“, kritisierte sie.  Aus Sicht von DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach hilft der Vorschlag nicht gegen Altersarmut und „wäre in dieser Form nicht mehr als ein Placebo“.

 

Selbst Bayerns Sozialministerin Haderthauer (CSU) äußerte Bedenken gegen die Pläne. „Wenn wir hier zu kurz springen mit der Mindestrente und zu hohe Hürden aufbauen, dann müssen es letztlich unsere Kinder dann wieder über die Steuern regulieren“ stellte sie fest. Auch sie meint, dass die vorgesehenen 45 Jahre Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung „heute in den wenigsten Erwerbsbiografien als durchgängige Vollzeiterwerbstätigkeit“ zu finden sei.

 

Als besonderes Problem nannte die CSU-Politikerin die Altersarmut von Frauen. Die seien oft aufgrund ihres Engagements in der Familie über viele Jahre nicht erwerbstätig. Sie forderte deshalb, “die ganze Lebensleistung zu honorieren” und erbrachte Familienarbeit wie Pflege von Angehörigen und Kindererziehung einer Erwerbstätigkeit hundertprozentig gleichzustellen. Dazu gehöre auch die Überlegung, die alte Witwenrente durch eine entsprechende Honorierung der Familienarbeit zu ersetzen.

 

Der AWO-Bundesvorsitzende Stadler kritisierte, das Problem der Altersarmut werde nicht mit Rentenzuschüssen gelöst. Wer heute kein existenzsicherndes Einkommen habe, werde später auch keine Rente erhalten, die zum Leben reiche. Ein Mindestlohn von 8,50 Euro wäre ein erster Lösungsansatz.

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